02.01.2024

Unsere Thesen für 2024: Mehr sonnige Gedanken, weniger Miesepetrigkeit!

Credion Portrait

Ganz gleichgültig, ob unsere ökonomischen Prognosen für 2024 punktgenau sind oder nicht. Mit einer Prognose hätten wir gerne recht: 2024 markiert eine Trendwende. Das Ende der Miesepetrigkeit und zugleich das Jahr der genutzten Chancen. Das ist mit Abstand unsere mutigste Prognose. Denn aktuell ist sie mehr Wunsch als Wirklichkeit. Aber: Wir können etwas dafür tun…

1. 2024 endet die Miesepetrigkeit. Es wird das Jahr der genutzten Chancen! 

Die deutsche Wirtschaft ist nach einer aktuellen Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft mal wieder pessimistisch. So pessimistisch wie zuletzt nach der Finanzkrise 2009. Es geht aber noch pessimistischer: Die deutschen Bürger schätzen – wenn man die jährlichen Allensbach-Umfragen zugrunde legt – die Lage in den 2020er Jahren hoffnungsloser ein als in allen Jahrzehnten seit dem zweiten Weltkrieg. Tock! Tock! Aufwachen, bitte! Und ganz kurz nachdenken, ob die Einschätzung wirklich zur Lage passt. Nein, kein Grund zur Depression!  

Für 2024 wünschen wir uns, dass wieder mehr Zukunfts-Vertrauen nach Deutschland und Europa zurückkehrt. Ja, dafür braucht es natürlich auch geeignete Rahmenbedingungen – insbesondere verlässliche Transformationspfade für Demographie und Infrastruktur, damit wir global wieder wettbewerbsfähiger werden - inklusive Entbürokratisierung, klug gesteuerte Einwanderung und einer echten Digitalisierungsoffensive. Kurz: Planungssicherheit über lange Zeiträume und damit Investitionssicherheit. Das wissen wir. Aber: Diese passive Resignation und fatalistische Miesepetrigkeit nervt. Wir können etwas tun! Globalisierung, Freihandel und internationalen Zusammenarbeit sind großartige Erfolgsgeschichten – für den gesamten Globus (viele dieser Erfolgsstories finden Sie zum Beispiel hier bei https://www.gapminder.org/.  

Es braucht eben auch die Fähigkeit, unternehmerische Chancen zu erkennen, den Mut auch mal individuell Risiken einzugehen - und nicht nur an eigene Überzeugungen zu glauben, sondern auch den unbedingten Willen, gemeinsam mit dem richtigen Team dafür zu sorgen, dass Ideen Wirklichkeit werden. In Deutschland, in Europa, weltweit. Es gibt viele großartige Beispiele, die uns Tag für Tag inspirieren können. Wir sollten es nur zulassen.  

2. Die Inflationsrate in Deutschland wird sich auf 3-4% verringern

Der Preisauftrieb verlangsamt sich und wird in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich insgesamt auf 2 Prozent sinken. Dafür dürften besonders sinkende Energiepreise verantwortlich sein – während konsumnahe Dienstleistungen weiter klar oberhalb von 3 Prozent liegen dürften. Hier werden sich nach unserer Einschätzung vor allem Zweitrundeneffekte aufgrund höherer Löhne auswirken. 

3. Die deutsche Wirtschaft wird im Gesamtjahr 2024 höchstens leicht um 1% wachsen 

Da die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft und bei Privathaushalten schwach bleibt, kaum große staatliche Impulse zu erwarten sind und mit einer weiterhin hohen privaten Sparneigung zu rechnen ist, fehlen voraussichtlich die Wachstumsimpulse, so dass das deutsche Wirtschaftswachstum zwischen  0 und 1 % liegen dürfte.  

4. Die EZB wird im 2. Halbjahr 2024 die Zinsen senken 

Die Inflation dürfte bereits im ersten Halbjahr im Zielbereich der EZB im Bereich von rund 2% liegen. Teuerungs-Effekte wie Energiepreise, Lieferketten-Probleme dürften sich reduzieren. Da aufgrund der unproblematischen Kapazitätsauslastung keine nachfrageinduzierten Inflationsimpulse entstehen dürften, ergibt sich voraussichtlich Zinssenkungspotential. Ausgewogene Zinssenkungen dürften also nicht unmittelbar inflationstreibende Nachfrageschübe auslösen.  

5. Die Zinsen werden voraussichtlich um mindestens 100 Basispunkte auf 3,5 % oder niedriger sinken 

Aufgrund des sinkenden Basistrends für die Teuerung dürfte die Zinssenkung bei mindestens 100 Basispunkten liegen. Dies sollte sich positiv auf die Refinanzierungssituation von Unternehmen auswirken.  

6. Sinkende Zinsen werden vor allem dem Immobilienmarkt im zweiten Halbjahr wieder Auftrieb geben 

Insbesondere der zinssensitive Immobilienmarkt dürfte von (der Erwartung) sinkender Leit-Zinsen und den aufgrund dieser Erwartung vorauseilend sinkenden Immobiliendarlehens-Zinsen profitieren. Doch Vorsicht: Finanzierer erwarten solide Eigenkapitalpuffer! Und: Nur neuere Immobilien, für die wachsenden energetischen Anforderungen relativ leicht zu erreichen sind, bleiben marktfähig. Die gute Nachricht: Wer über genügend trockenes Pulver verfügt, profitiert von außerordentlich guten Kaufgelegenheiten. Denn im Jahresverlauf dürften sinkende Baukosten aufgrund wachsenden Wettbewerbs verbleibender Anbieter bei niedriger Kapazitätsauslastung, steigende Mieten und damit erwartet höheren Verkaufspreise für eine Wende am Immobilienmarkt sorgen.   

7. Die Arbeitslosenquote in Deutschland wird auch 2024 bei unter 6% verharren 

Kurzfristig bleibt es trotz leicht steigender Arbeitslosigkeit aufgrund des demographischen Wandels bei einer Fachkräfteknappheit. Sollten die Löhne weiter stärker steigen als die Produktivität, führt dies jedoch mittelfristig zu einem Anpassungsbedarf.  

8. Künstliche Intelligenz und Energiepreise: Herausforderung für die Geschäftsmodelle

Auch 2024 werden die Energiepreise in Europa und Deutschland trotz starker Rückgänge über den langfristigen Trends bleiben. Dies wird insbesondere die Geschäftsmodelle deutscher Unternehmen weiter vor große Herausforderungen stellen – und zum Teil zu Verlagerungen führen. Positiv: Der strukturelle Anpassungsbedarf der Geschäftsmodelle und des Arbeitsmarktes an Chancen und Risken durch Künstliche Intelligenz wird immer stärker erkannt und berücksichtigt.  

9. Staat und Privatwirtshaft werden kooperative Formen der Infrastruktur- und Transformationsfinanzierung finden (müssen) 

Öffentliche und Private nutzen bei weitem noch nicht die Mobilisierungs-Chancen aus Public-Private-Partnerships. Darin liegt eine doppelte Chance: Einerseits zur Transformationsfinanzierung der gesamten Infrastruktur mit Hilfe von privatem Kapital. Andererseits ließen sich aufgrund der planbaren, langfristig gesicherten Erträge hohe Investitionsvolumen aus der Altersvorsorge stemmen – und zugleich ein solider Kapitalstock aufbauen. Damit wären zwei Ziele zugleich erreicht: Eine topmoderne, wettbewerbsfähige Infrastruktur, die ein internationaler Wettbewerbsvorteil werden kann und eine sauber finanzierte kapitalgedeckte Altersvorsorge. Auch hier geben wir unserem Optimismus eine Chance: 2024 wir ein Jahr, in dem Staat und Privatwirtschaft kooperative Formen zu etablieren beginnen, wie die Modernisierung der Infrastruktur und die Transformation finanziert werden kann. 

10. Noch mehr Optimismus: 2024 wird es in Deutschland weniger regnen als 2023  

Zugegeben: Keine so ganz ambitionierte Wette. Da die durchschnittliche Niederschlagsmenge 2023 um mehr als 30% über dem langjährigen Durchschnitt lag, dürfte es 2024 weniger regnen als 2023. Wie auch immer:

Wir wünschen uns sonnige Gedanken. Dafür können wir selbst sorgen. Und deshalb fangen wir jetzt sofort damit an!  

Unternehmens-Insolvenzen: Rettung mit Hürden 🚫

Unternehmens-Insolvenzen: Rettung mit Hürden 🚫

„Zahl der Firmenpleiten erreicht neuen Rekordwert“, „Höchststand bei Firmenpleiten“ oder „Rekord-Insolvenzen in 2024“ waren nur drei von zahlreichen alarmierenden Schlagzeilen aus dem ersten Halbjahr 2024. Kleiner CREDION-Check für die Freunde der Fakten: Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2019 lag das arithmetische Mittel der Unternehmensinsolvenzen pro Jahr bei exakt 29.099 – und damit um satte 63,3% höher als im vergangenen Jahr (17.814). Richtig ist aber: Die Zahl der Insolvenzen bei Großunternehmen wächst und die Rettung aus der Insolvenz wird zunehmend schwierig.

16.07.2024

Werte schaffen mit... Monika Beck

Werte schaffen mit... Monika Beck

Mit einer beeindruckenden internationalen Karriere in der Finanzindustrie ist Monika Beck eine renommierte Persönlichkeit im Finanzsektor. Seit Juli 2018 ist sie Geschäftsführerin der DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einer der weltweit führenden Entwicklungsfinanzierer. Dort bringt Monika Beck ihre umfangreiche Expertise für die Finanzierung nachhaltiger Investitions- und Wachstumsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländer ein. Zuvor war sie über 17 Jahre in leitenden Funktionen im Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank der KfW Bankengruppe aktiv. Die Diplom-Volkswirtin arbeitete davor zunächst drei Jahre als Produktmanagerin für L’Oréal und nahezu ein Jahrzehnt lang als Projektmanagerin für die auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte ProCredit Gruppe in Lateinamerika.

02.07.2024