27.03.2024

Werte schaffen mit… Dr. Kirsten Donner, Head of Legal bei Trade Republic 💬

Credion Portrait

In unserer aktuellen Interview-Reihe mit bemerkenswerten Frauen in der Finanzszene sprechen wir heute mit Dr. Kirsten Donner, unserer stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, die wir gerne im Rahmen unserer Interview-Reihe anlässlich des Weltfrauentages hervorheben möchten. 💼💡

Kirsten Donner ist eine renommierte Expertin im Finanzaufsichtsrecht mit einer beeindruckenden beruflichen Laufbahn. Als Head Of Legal (Regulatory & Product) ist sie seit Oktober 2021 bei Trade Republic aktiv. Zuvor war sie unter anderem Partnerin der Wirtschaftskanzlei White&Case. Seit Juni 2023 bringt Kirsten Donner ihr umfangreiches Know-how in unseren Aufsichtsrat ein.

Die 2015 gegründete Trade Republic hat im Dezember 2023 die Banklizenz erhalten. Ein wichtiger Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Unternehmens, zu dem Kirsten Donner einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Trade Republic hat inzwischen vier Millionen Kunden in 17 Märkten, darunter 2,5 Millionen in Deutschland. Als die größte Sparplattform für Wertpapiere in Europa verwaltet die Bank ein Vermögen von rund 35 Milliarden Euro. 📈💰

Wir sind begeistert, dass Kirsten Donner ihre Gedanken, Erfahrungen und Einschätzungen zu aktuellen Trends in der Finanzindustrie mit uns teilt. 💬

Du bist sowohl als Head of Legal einer Bank als auch als weibliche Aufsichtsrätin im Finanzbereich noch immer eine Ausnahme. Was war Dein Erfolgsmuster, das Du weitergeben kannst?

Ich habe eigentlich immer das gemacht, was mir Spaß macht. Fachlich war das für mich das Finanzaufsichtsrecht. Dazu gehörte dann auch, dass ich mal den ein oder anderen Job-Wechsel auf mich nehmen musste, wenn klar war, dass ich mich sonst nicht mehr hätte weiter entwickeln können. Dazu bin ich auch immer mir als Person treu geblieben. Ich habe mich in keine Muster zwängen lassen.

Welche Herausforderungen gilt es zu überwinden, um mehr Frauen in der Finanzbranche eine Chance zu geben?

Die Finanzbranche ist in der Tat noch sehr männerdominiert. Bestimmte daraus resultierende Verhaltensweisen können für Frauen einfach abschreckend sein. Mittlerweile gibt es bei vielen Arbeitgebern Frauenförderprogramme. Ich selbst habe bei meinem alten Arbeitgeber auch eins erhalten. Interessanterweise ist deren Ansatz aber häufig, Frauen so zu trainieren, dass Männer sie – wortwörtlich - besser verstehen. Ich denke da zB an ein Stimmtraining oder das Erlernen von Persönlichkeitstypen und angepasster Kommunikationsstrategien. Das ist sicher auch hilfreich, aber es wäre denke ich auch eine Überlegung wert, Männer gleichfalls auf die spezifischen Eigenschaften und Herausforderungen von Frauen einzustimmen. Man sollte Verständnis und Offenheit auf beiden Seiten fördern und die „Buddy-Buddy“-Mentalität abschaffen.

Der größte Blocker ist aber leider noch immer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Frauen eine echte Karriere auch in Teilzeit zu ermöglichen, würde sicher den Ausstieg vieler verhindern.

Welche Erfahrung hast Du ganz generell mit Diversität gemacht? Wie verändern heterogene Teams Arbeitsergebnisse und Unternehmenskultur?

Nach meiner Erfahrung profitieren Teams immer von Diversität. Egal ob man Diversität kulturell oder geschlechterspezifisch versteht. Unterschiedliche Einflüsse, Denk- und Verhaltensweisen führen dazu, dass man den Status Quo viel umfassender in Frage stellen kann als mit einer homogenen Gruppe. Das gilt sowohl für die Unternehmenskultur als auch Arbeitsergebnisse. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen, aber auch in der eigenen Karriere ist, sich immer weiterzuentwickeln. Das ist meines Erachtens einfacher, wenn man von unterschiedlichen Einflüssen profitieren kann. Wichtig ist aber, dass man sich die richtigen Talente holt und Diversität dann auch tatsächlich lebt. Unterschiedliche Meinungen müssen auch geäußert und respektiert werden können.

Ich selbst habe ein sehr diverses Legal-Team, sowohl kulturell als auch geschlechterspezifisch…wobei ich zugeben muss, dass in meinem Team die Frauen tatsächlich in der Überzahl sind. 😊

Welche Rolle spielen Mentoring und Networking für Frauen, die in der Finanzbranche erfolgreich sein möchten? Kannst Du Dir selbst eine Mentoren-Rolle vorstellen?

Mentoring kann enorm wichtig sein. Man hat immer die Vorstellung, dass ein Mentor eine Art Lehrer(in) ist. Das ist eine Möglichkeit. Ein Mentor oder eine Mentorin kann aber auch eine Vorbildfunktion haben, als Feedback-Partner(in) zur Verfügung stehen oder Zugang zu einem Netzwerk bieten. All dies kann die eigene Karriere positiv beeinflussen. Ich selbst hatte leider bisher nur eine Mentorin in meinem Leben, die mich durch einen regelmäßigen Austausch sehr bei einem bestimmten Karriereschritt bestärkt hat. Auch ich hatte bereits Mentees und freue mich immer wieder sehr, wenn jemand so viel Vertrauen in mich hat, mich als seine Mentorin zu wählen.

Mit Trade Republic bist Du Teil einer echten Revolution, die das effiziente Sparen und den Vermögenaufbau transparent und fair macht. CREDION bietet für institutionelle Investoren, vermögende Familien und Privatpersonen sehr attraktive Risiko-/Renditeprofile. Wie verändert sich derzeit der Markt für Vermögensaufbau?

Eine riesige Veränderung ist sicher, dass sparen jetzt auch sexy ist. Vermögensaufbau wird zu einer Art Lifestyle. Das freut mich ganz besonders, denn Vorsorge ist in Anbetracht der uns alle betreffenden Rentenlücke nun mal wichtig. Und wie bringt man es der heutigen Generation besser bei als durch Lifestyle-Vermarktung?  Vor 20 Jahren gab es keine coolen Apps, die Dir das zeit- und ortsunabhängige Sparen ermöglicht haben. Ich sehe mich noch mit meinen Eltern in die Filiale gehen, um auf das Sparbuch einzuzahlen…

Umso mehr freue ich mich, heute mit dazu beizutragen, dass der Kapitalmarkt nicht nur den Vermögenden offen steht. Dazu tragen Apps wie Trade Republic auch durch Produktneuerungen bei. Fractional Trading, das heißt der Bruchteilshandel, gehört zum Beispiel dazu. Bis vor Kurzem konnte man nur volle Aktien am Kapitalmarkt erwerben. Das steht aber nicht im Einklang mit jedermanns Budget. Kein Mensch wacht morgens auf und denkt, heute will ich 2 Daimler Aktien kaufen. Man denkt doch vielmehr, ich habe 50 EUR, die ich sparen kann. Wie kann ich diese gewinnbringend anlegen? Mit dem Bruchteilshandel kann man sogar nur 1 EUR investieren und dennoch an seiner Lieblingsaktie beteiligt werden. Das und noch mehr wird hoffentlich in Zukunft dazu führen, dass das Sparschwein auch für den Kleinsparer durch zB Aktien oder ETFs ersetzt wird und der Kapitalmarkt wirklich jedermann offensteht. Am Ende hat das ja auch wiederum Chancen für den Kapitalmarkt selbst, weil einfach mehr Mittel zufließen.

Wie ist Dein Blick auf die Finanzindustrie insgesamt? Welche wesentlichen Trends beobachtest Du?

Ich glaube die Finanzindustrie muss eine wichtige Rolle bei der Lebensgestaltung der Menschen spielen. Bei stetig steigenden Lebenserhaltungskosten sind innovative Produkte, die den Kunden den Vermögensaufbau erleichtern von wesentlicher Bedeutung. Dazu gehört nicht nur, dass Zinsprodukte angeboten oder das Investieren vereinfacht wird, sondern die Finanzindustrie muss auch kosteneffizienter werden, um den Kunden nicht schon erstmal 10 EUR Gebühr eine Dienstleistung abzunehmen.

Darüber hinaus sieht man aber auch eine Transformation der Bankenlandschaft. Banking as a Service (BaaS) ist hier das Stichwort. Wie ich vorhin schon einmal sagte, wird das Sparen, aber auch das Banking immer attraktiver für die Kunden gemacht. Das ist nicht unbedingt die Stärke der großen Häuser. Hier kommen kleine, nicht regulierte Anbieter auf den Markt, die die Großen hinter sich zu stehen haben und auf Basis eigener Technologien lediglich das Interface bieten. Da wird es sicher auch noch eine Konsolidierung geben, aber ein paar dieser Anbieter werden sich sicher etablieren. Das wiederum ist ebenfalls eine Chance für Kundenzufluss und Revenue der etablierten Banken.

Schließlich sehe ich ein wichtige Rolle der Finanzindustrie im Bereich Klimawandel. Nicht nur die Politik, sondern auch Kunden verlangen immer mehr nachhaltige Finanzprodukte. Je mehr Angebot die Industrie hier schaffen kann, desto größer der Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft hin zu einer nachhaltigen Lebensweise.

Welche Ratschläge würdest du jungen Menschen generell beruflich mit auf den Weg geben?

Findet etwas, das ihr gut könnt, das euch Spaß macht, bleibt euch treu und vor allem: gebt niemals auf! Es kann mal Rückschläge geben, aber aus diesen lernt man und am Ende machen sie einen besser.

Stell Dir vor Du hast drei Wünsche frei: Wofür würdest Du Dich entscheiden?

Auf Fangfragen antworte ich nicht 😉 Nein, Spaß beiseite. Drei Wünsche kriege ich eigentlich gar nicht zusammen. Mein größter Wunsch ist ein langes Leben bei guter Gesundheit, damit ich all das, was ich vor habe, auch tatsächlich umsetzen kann.

Unternehmens-Insolvenzen: Rettung mit Hürden 🚫

Unternehmens-Insolvenzen: Rettung mit Hürden 🚫

„Zahl der Firmenpleiten erreicht neuen Rekordwert“, „Höchststand bei Firmenpleiten“ oder „Rekord-Insolvenzen in 2024“ waren nur drei von zahlreichen alarmierenden Schlagzeilen aus dem ersten Halbjahr 2024. Kleiner CREDION-Check für die Freunde der Fakten: Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2019 lag das arithmetische Mittel der Unternehmensinsolvenzen pro Jahr bei exakt 29.099 – und damit um satte 63,3% höher als im vergangenen Jahr (17.814). Richtig ist aber: Die Zahl der Insolvenzen bei Großunternehmen wächst und die Rettung aus der Insolvenz wird zunehmend schwierig.

16.07.2024

Werte schaffen mit... Monika Beck

Werte schaffen mit... Monika Beck

Mit einer beeindruckenden internationalen Karriere in der Finanzindustrie ist Monika Beck eine renommierte Persönlichkeit im Finanzsektor. Seit Juli 2018 ist sie Geschäftsführerin der DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einer der weltweit führenden Entwicklungsfinanzierer. Dort bringt Monika Beck ihre umfangreiche Expertise für die Finanzierung nachhaltiger Investitions- und Wachstumsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländer ein. Zuvor war sie über 17 Jahre in leitenden Funktionen im Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank der KfW Bankengruppe aktiv. Die Diplom-Volkswirtin arbeitete davor zunächst drei Jahre als Produktmanagerin für L’Oréal und nahezu ein Jahrzehnt lang als Projektmanagerin für die auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte ProCredit Gruppe in Lateinamerika.

02.07.2024